die schönsten Liebesgedichte

Wunder der Liebe

Liebe traf mich, meine Augen weinen,
Und im Herzen brennt ein wüthend Feuer mich,
Durch der Liebe Allgewalt vereinen
Elemente selbst zu meinen Qualen sich,
Ach! vergebens brennet meine Flamme,
Fruchtlos netzen Thränen mein Gesicht.
Thränen, warum löscht ihr nicht die Flamme?
Flamme, warum trocknest du die Thränen nicht?

Ich liebe das und weiß nicht was

Was mehr als diese Zier
Die Pfauen so nicht mahlet,
Was mehr, als was da strahlet,
Aus deinen Augen für:
Was mehr, als dieses Licht,
Das Adler so nicht haben,
Was mehr, als alle Gaben,
Und ihre grosse Pflicht:
Ist, das ich lieb gewonnen,
Was ists? Ich such es hier,
Und ist, bleibt es bey mir,
Weil ich es hab, entronnen.

Die Liebe

Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Sorgenlos, wie Kinder,
Führt sie uns durchs Leben.
Unser ganzes Leben
Flieht mit ihr geschwinder,
Als uns ohne Liebe
Sonst ein Tag verging!
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Muth gibt sie zur Arbeit,
Hilft sie uns verrichten.
Eine Blumenkette
Werden unsre Pflichten,
Und am Thron der Liebe
Hängt der Kette Ring.
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Unsre Seele hebet
Sich auf ihrem Flügel,
Unsre Seele schwebet,
Neu von ihr belebet,
Ueber Thal und Hügel,
Gleich dem Schmetterling.
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Mag da draußen Schnee sich türmen

Mag da draußen Schnee sich türmen,
Mag es hageln, mag es stürmen,
Klirrend mir ans Fenster schlagen,
Nimmer will ich mich beklagen,
Denn ich trage in der Brust
Liebchens Bild und Frühlingslust.

Ein Bild aus Reichenau

Auf einer Blume, rot und brennend, saß
Ein Schmetterling, der ihren Honig sog,
Und sich in seiner Wollust so vergaß,
Daß er vor mir nicht einmal weiterflog.

Ich wollte sehn, wie süß die Blume war,
Und brach sie ab: er blieb an seinem Ort;
Ich flocht sie der Geliebten in das Haar:
Er sog, wie aufgelöst in Wonne, fort!

Ihr lieben Blumen

Ihr lieben Blumen, könnt ihr mir nicht sagen,
Was euch so wunderbar verwandelt hat?
Ihr konntet gestern kaum das Köpfchen tragen,
Ihr senktet es so thränenschwer und matt.

Du blauer Himmel, kannst du mir nicht sagen,
Warum so leuchtend du mit einemmal?
Hast gestern Nebelschleier noch getragen,
Und nun so plötzlich lauter Glanz und Strahl?

Du klare Welle, kannst du mir nicht sagen,
Warum auf einmal du so spiegelhell?
Du hast ja gestern noch so wild geschlagen,
Was hat dich so beschwichtigt, klare Well‘?

Mein freudig Herz, und kannst du mir nicht sagen,
Was dich so selig macht in meiner Brust?
Du warst ja gestern noch voll Angst und Zagen,
Und heut erfüllt dich wunderbare Lust?

Ich weiß es wohl, und muß doch immer fragen,
Die Antwort klingt so süß und wonniglich;
Du Herz allein kannst mir die Antwort sagen,
O juble laut: Er liebt, er liebet mich!

Die Veilchen

Wenn mit der klaren Frühlingslust
Der erste süße Veilchenduft
Um Beet und Anger zieht,
Da wird mir gleich so morgenjung,
Da fühlt’s das Herz wie Lerchenschwung,
Und alles Düstre flieht.

Ich denk‘ an deinen Jahrestag,
Noch eh‘ ich dir von Liebe sprach,
Im frühsten Lenz des Jahrs.
Wie werth dir meine Gabe schien!
Ein Veilchenbusch im ersten Grün
Mit ersten Knospen war’s.

Ein Veilchenbusch, der dicht und voll
Aus offnen Blüthen Düfte quoll,
Belauschte dich und mich, –
Als dich zuerst mein Arm umschlang,
Ich flüsternd an das Herz dir sank:
„Unsäglich lieb‘ ich dich!“

Drum wird mir’s ja so morgenjung,
Drum fühlt’s das Herz wie Lerchenschwung
Und alles Düstre flieht,
Wenn mit der frischen Frühlingsluft
Der erste süße Veilchenduft
Um Beet und Anger zieht.

Mahnung

Dieser Stunden Seligkeit
Trinke kühn mit durst’gem Munde;
Nimm sie auf die schöne Zeit
In dem tiefsten Seelengrunde.

Nah an Wonne grenzt das Leid;
Sollten Wandlung wir erfahren,
Tröstet uns die schöne Zeit,
Da wir einst so glücklich waren!

Serenade

Gute, Liebe, Schöne,
Hör‘ mein Liedchen an,
Seine Klagetöne
Klagen, Herz, dich an.

Gute, Schöne, Liebe,
Süßes Mädchen du,
Wurdest ja zum Diebe,
Ach, an meiner Ruh.

Schöne, Liebe, Gute,
Sieh, mein Herz ist wund,
Daß es nicht verblute,
Liebe mich gesund.

Mein Traum

Schon weht ein frischer Herbstwind übers Land,
Das hundertfarb’ge Laub sinkt von den Bäumen –
Und dennoch wagt mein Herz vom Lenz zu träumen,
Von einem Lenz, wie’s keinen noch gekannt?

Des Winterschlafes harrt schon die Natur,
Und ich fühl‘ Sommerglut, seh‘ Frühlingsblüten!
O möchte Gott mir diesen Traum behüten,
Der so unsagbar süß, ob Wahn auch nur!